Workshop November 2013

 

 in Kooperation mitund   

 

Workshop „Datasharing qualitativer Forschungsdaten in der Lehr- und Forschungspraxis: „Potenziale – Herausforderungen – Lösungen“

Qualiservice ist eine Serviceeinrichtung, die ab Januar 2014 mit qualitativen Forschungsdaten online geht. Dies bedeutet, Primärdaten – in unserem Fall zunächst Interviewdaten, idR Interwiewtranskripte – werden der Scientific Community für die Forschung, aber auch für die Lehre zur Verfügung gestellt . Wir nennen dieses „Geben und Nehmen“ von Primärdaten, dargestellt im Kontext des Forschungsprozesses, „Datasharing“, denn die alleinige Rückführung der Vorteile des Datenteilens auf die Reanalyse von Primärdaten halten wir für zu kurz gegriffen. Datasharing bietet weit mehr Vorteile. Einige seien hier beispielhaft genannt:

  •  Datasharing ermöglicht die Beforschung bereits erhobener Primärdaten mit neuen Perspektiven und Forschungsfragen. (Zum Beispiel historische Verläufe oder der Blick über mehrere Studien hinweg.)
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  • Interviewte schließen in ihre Erzählungen und Darstellungen „Antworten auf nicht-gestellte Fragen“ (Prof. Dr. Thomas Leithäuser) mit ein. Aus diesem Grund besteht ein Auswertungspotenzial für qualitative Interviewdaten unter neuen Fragestellungen.
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  • Das Datasharing kann positive Rückwirkungen auf die Primärforschung haben: Für das Datasharing stellen sich neue Anforderungen für die Gewährleistung des intersubjektiven Nachvollzugs an die Primärforschung, um Sekundärnutzenden die korrekte Einordnung des Erhebungszusammenhangs der Primärdaten zu erlauben. Forschungsprozesse müssen dafür sorgfältig dokumentiert und erläutert werden.
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  • Durch diese „neue Öffentlichkeit“, die Primärforschungsprozessen durch das Datasharing erfahren, könnte auch ein Impuls zur methodischen Weiterentwicklung in der qualitativen Forschung entstehen.
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  • Datasharing schont Interviewte und Interviewer. Überbefragung und belastende Interviewsituationen können reduziert werden.
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  • Datasharing ist eine Innovation für das forschende Lernen in der Methodenausbildung: Die Verwendung von Primärdaten in ihrem Forschungszusammenhang war in organisierter Form bisher kaum möglich.
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  • Durch die Nutzung „alter“ Daten bleiben Studien aktuell: Durch Zitation der Primärstudien werden diese in jeweils neue Kontexte gestellt.

Viele Vorteile – doch wie soll und kann Datasharing in die alltägliche Lehr- und Forschungspraxis integriert werden? Wer stellt die Ressourcen für eine optimierte Dokumentation der Forschung bereit, wer finanziert und praktiziert die Aufbereitung von Daten, die sekundär genutzt werden sollen? Verlieren Datengebende die „Kontrolle“ über ihre Daten oder umgekehrt: Mischt sich die Primärforschung in die Sekundärnutzung ein? Wie wird der Datenschutz gewährleistet? Wer stellt welche Materialien für die Lehre zusammen? Wie finde ich überhaupt passende Daten? Was unterscheidet Primär- und Sekundärforschung in der Forschungspraxis?

Auf diese und mehr Fragen will Qualiservice antworten und gemeinsam mit Forschenden und Lehrenden Lösungen optimieren, die im wissenschaftlichen Alltag umsetzbar sind. Der Workshop versteht sich als ein Meilenstein in der Umsetzung diese Anliegen. 

Veranstalter: Qualiservice in Kooperation mit dem Modellprojekt IDconstruct und der BIGSSS an der Universität Bremen
Die Veranstaltung richtet sich im Schwerpunkt an Forschende und Lehrende. 

Wo? Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Celsiusstrasse 1, 28359 Bremen (in direkter Nähe zum Universitätsgelände)
Wann? 22. und 23.11.2013, ab 12.00 Uhr am 22.11. Anmeldung und Imbiss 


Programm

Freitag, 22.11.2013 

13.00 Uhr        Begrüßung und Erläuterung des Ablaufs

13.15 Uhr        Das Qualiservice-Online-Portal

14.00 Uhr        Dr. S. Winkler-Nees, Deutsche Forschungsgemeinschaft:

Ressourcen und Förderungsmöglichkeiten für die Dokumentation von Forschungsdaten für die Sekundärnutzung. 

Diskussion: Fragen, Antworten, Ideen

15.00 Uhr        Kaffeepause

15.30 Uhr        Arbeitsgruppen

AG 1 Leitung:  Prof. Dr. Günter Mey (Hochschule Magdeburg-Stendal; Berliner Methodentreffen), Dr. Thomas Kühn (IDconstruct Identitätskonstruktionen im Lebenslauf, Sekundäranalytische Modellstudie, Universität Bremen):

Sekundärnutzung qualitativer Primärforschungsdaten in der Forschung: Spektrum und Nutzungspotenziale, Erfahrungen aus sekundärnutzenden/-analytischen Projekten

AG 2 Leitung: Prof. Dr. Jörg Strübing (Eberhard Karls Universität Tübingen und Susanne Kretzer (Qualiservice, Universität Bremen):

Sekundärnutzung qualitativer Primärforschungsdaten in der Methodenausbildung: Lernarrangements für Forschendes Lernen, Entwicklung von Knowledge Packages, Sekundärnutzung studentischer Forschungsprojekte 

Ab 19.30         Abendessen 

 

Samstag, 23.11.2013 

9.15   Uhr       Auswertung der Arbeitsgruppen

10.15 Uhr       Die Datenbereitstellung durch Qualiservice:

                          - Metadaten: Daten sichtbar und suchbar machen

                          - Kontextdaten: Wie sind die Daten entstanden? 

11.00 Uhr      Kaffeepause

11.30 Uhr      Primärdaten: Interviewdaten und ihre Mikrokontexte managen

Datenschutz und Datensicherheit; Überlegungen zu einem semi-standardisierten Anonymisierungskonzept

12.30 Uhr      Vorstellung des Qualiservice-Portfolios zur Forschungsdokumentation

13.00 Uhr      Rückblick auf die Veranstaltung

13.30 Uhr      Veranstaltungsende